OKA HomeLine: work from home / at home at work...?

Im Interview: Designer Michael Hilgers über das Büro in Zeiten von Covid19

Wie kam die Zusammenarbeit mit OKA zustande?

 

OKA kam auf mich zu, weil ich neben diversen Projekten für die Büromöbelindustrie in den vergangenen Jahren vor allem funktionale Wohnmöbel, Küchen und Outdoorprodukte entwickelt habe: Für das HomeLine-Projekt suchte OKA einen Designer, der es gewohnt ist, ausserhalb einer branchenüblichen Box zu denken- denn schließlich sollten mit dem Projekt zwei eigentlich nur schwer vereinbare Bereich miteinander verschmolzen werden: Arbeit und Privates waren (zumindest als wir mit dem Projekt begonnen haben) recht konträre Welten...

 

Sie stehen seit Jahren für smarte Lösungen auf engstem Raum, für ein pragmatic design jenseits des Standards. Sind das genau die Denkansätze, die bei der Entwicklung zeitgemäßer Möbel für die „neue Normalität“ gefragt sind?

 

Tatsächlich wurden viele meiner (multi)funktionalen raumsparenden Entwürfe bis vor kurzem unter dem Begriff 'Nischenprodukte' kategorisiert: Wer benötigte schon in 2019 einen kompakten Arbeitsplatz für das Arbeiten von zuhause…?

 

Die Pandemie zeigt, wie schnell eine Idee jenseits des Üblichen zum neuen Standard werden kann. Diese Art einer neuen unvoreingenommenen Herangehensweise an eine Gestaltungsaufgabe beschreibt meine Methodik des „pragmatic Design“: Es geht hierbei nicht um Designschnickschnack sondern um wirklich neuartige gut gestaltete Lösungen, die dem Nutzer dabei helfen können, seinen (Arbeits)Alltag möglichst angenehm zu bewältigen.

 

Exemplarisch hierfür stehen die Home Office Lösungen, die ich unlängst in einem weiteren neuen Projekt für OKA

entwickelt habe: Für diese in Kürze erhältliche Kollektion sind funktionale Möbel entstanden, die das Arbeiten von Zuhause komplett neu interpretieren und vielleicht unsere neue Normalität ein wenig mitdefinieren können.

 

In der Büromöbelbranche wurde bislang alljährlich ein neues Dekor oder ein noch schnellerer höhenverstellbarer Schreibtisch als DIE Innovation gefeiert; Zukünftig jedoch werden mehr denn je pragmatische kreative Denkansätze gefordert sein, die über solche vermeintliche Neuerungen hinausgehen- und ich freue mich sehr, in OKA einen Hersteller gefunden zu haben, der diesen Weg gemeinsam mit mir zu beschreiten wagt...

 

Welche Anforderungen waren speziell beim Design der OKA HomeLine zu erfüllen?

 

Die Aufgabe bestand nicht (wie so häufig in unserer Branche) lediglich darin, eine vorhandene Kollektion durch ein paar

Holzapplikationen und freundliche Farben kosmetisch aufzuhübschen:

 

OKA steht traditionell für hochwertige, gut gestaltete detailverliebte Büromöbel- Diese Qualität galt es nun mit funktionalen und gestalterischen Merkmalen eines eigentlich „artfremden“ Bereiches zu verheiraten und so eine neue menschlichere Qualität des Arbeitsumfeldes zu schaffen; gleichzeitig sollte die Kollektion unverkennbar ein OKA Produkt sein und sich folglich auch in bestehende OKA Möblierungen integrieren lassen.

 

Haben Sie im Designprozess eine(n) prototypischen Nutzer(in) vor Augen?

 

Vorab muss man natürlich definieren, wen man als NutzerIn verstehen möchte:

 

Sind es die Arbeitgeber, die sich ja am Ende für eine Möbellösung entscheiden- oder sind es die wirklichen Nutzer, also die Angestellten, die sich idealerweise mit ihrem Arbeitsplatz identifizieren sollen, sich dort wohl fühlen wollen?

 

Idealbild ist für mich ein Unternehmen, das seinen Mitarbeitern nicht nur den üblichen Mix von Schreibtisch, Container, Stauraum zur Verfügung stellt: Zu häufig wird bei der Einrichtung eines Büros die typische Liste abgehakt: Arbeitsstättenrichtlinien?- Check!, Robust?- Check!, Bewährter Standard?- Check!, Preis?- Check…!

 

Unternehmen die sich für HomeLine entscheiden, machen dies nicht nur für sich oder um in einer Veröffentlichung als moderner designaffiner Arbeitgeber wahrgenommen zu werden: Ich denke, dass eine bewusste Entscheidung für unsere HomeLine auch getroffen wird, um den Mitarbeitern über die oben geschilderten obligatorischen Attribute hinaus „lebenswerte“, mit einer emotionalen Qualität ausgestattete Arbeitsplätze zu bieten.

 

Dies bedeutet nicht, dass der Angestellte seinen neuen Arbeitsplatz mit seinem Zuhause verwechseln soll, damit er auch schön lange im Büro bleibt: Vielmehr sehe ich es so, dass eine Ausstattung mit HomeLine Arbeitsplätzen als Wertschätzung des Unternehmens dem Mitarbeiter gegenüber verstanden werden kann: Es ist eben nicht nur die übliche höhenverstellbare Tischmaschine oder die 3OH fassende weisse Kiste sondern eine kleine Möbelwelt, die Privatheit und Wohlfühlen des individuellen Mitarbeiters zulässt: HomeLine soll nicht nur der Funktionsfähigkeit des Unternehmens dienen, sondern gleichzeitig eine angenehme „Nutzeroberfläche“ für den Mitarbeiter darstellen.

 

Ist „Wohnlichkeit“ ein Qualitätsmerkmal zeitgemäßer Büromöbel? Oder anders gefragt: Wie wohnlich dürfen/müssen Büromöbel heute sein?

 

Die Planungsphase für das HomeLine-Projekt begann noch vor der aktuellen Zeitenwende unserer Arbeitswelten- und ist dennoch das Produkt der Stunde:

 

In vielen Fällen wird unser ursprünglich gemütliches Heim durch den Einzug einer zusätzlichen ungewohnten Funktion -des Arbeitens- weniger wohnlich werden: Schreibtische und neue Stauraummöbel werden vermutlich dauerhaft ein Bestandteil zahlreicher Wohnungen sein und uns einen Teil unseres privaten Lebensraumes „wegnehmen“.

 

Das traditionell primär auf pragmatische Funktionalität ausgerichtete Büro wird sich zu einer Art „Zufluchtsort vom neuen Daheim“ wandeln: Zukünftig wird das Büro mehr denn je ein Ort der Begegnung, des Austausches werden; Abseits der häuslichen Home-Office-Enge möchte man dann jedoch nicht nur kuschelige kommunikative Soft-Seating Lösungen und Meeting Points vorfinden, sondern auch einen individuellen Arbeitsplatz für ein fokussiertes Arbeiten, der durch Gestaltung und Materialität ein Gefühl der „Heimat“, der Verbundenheit mit dem Job vermitteln kann. Sinnliche Materialien wie massive Eiche, Kork, Textil und die Möglichkeit der Personalisierung lassen uns gerne ins Büro kommen; Die bewusste Gestaltung unseres persönlichen Arbeitsplatzes wird Teil unserer neuen Identität.

 

Jeder spricht momentan vom Home Office; vor allem die Wohnmöbel Branche entwickelt Lösungen für das Arbeiten von daheim- denn dies ist mehr als ein Trend; es wird die neue Arbeits- und Lebens-Normalität sein.

 

Unser HomeLine Projekt geht bereits ein Stück weiter: Unsere neue Kollektion bildet als „Office Home“ die perfekte Ergänzung zum heimischen „Home Office“…

 

Vielen Dank!